Starker Darm - starkes Kind

18. Apr, 2018|Verfasst von beta in der Kategorie Gesundheit
Starker Darm - starkes Kind

Starker Darm - starkes Kind


Der menschliche Darm ist hundertmal größer als die Haut. Damit ist er auf die Oberfläche bezogen unser größtes Organ. Bei Erwachsenen wird er von mehr als fünfhundert verschiedenen Bakterienspezies bewohnt, sowie Hefen, Pilzen und anderen Mikroben. Diese sogenannte Darmflora macht bis zu einem Kilogramm unsere Körpergewichts aus und erfüllt wichtige Aufgaben bei der Verdauung und der Verteidigung gegen Krankheitserreger. Ihre Funktionalität hat großen Einfluss auf unsere Gesamtgesundheit.


Aber erst in einem Alter von drei bis fünf Jahren erreicht die Zusammensetzung der menschlichen Darmflora einen annähernd erwachsenen Zustand. Davor ist sie starken Veränderungen unterworfen. (1)


Wie entwickelt sich die Darmflora?


Vor der Geburt ist der Darmtrakt kaum besiedelt. Bereits während und kurz nach der Geburt beginnt die erste wirkliche Besiedlung des kindlichen Darms mit Bakterien und zwar abhängig von der Art der Geburt. Normal geborene Kinder werden von einer Bakterienzusammensetzung besiedelt, die der vaginalen Flora ihrer Mutter ähnelt. Typischerweise dominieren Bakterienspezies wie Lactobacillus. In der heutigen Zeit werden jedoch mehr und mehr Kinder per Kaiserschnitt geboren. Diese Neugeborenen zeigen meist eine völlig andere Zusammensetzung der ersten bakteriellen Flora. Sie ähnelt der, die man auf der menschlichen Haut findet und wird von Spezies wie Staphylococcus, Corynebacterium und Propionibacterium dominiert.(2)


Die anschließende Weiterentwicklung der Darmflora ist wiederum von der Ernährung des Säuglings abhängig. Gestillte Kinder kommen über Muttermilch und Haut der Mutter mit anderen Bakterien in Kontakt als Kinder, die mit Säuglingsnahrung aus der Flasche gefüttert werden. 



Feste Nahrung und orale Phase 


Der danach anstehende Wechsel zu fester Nahrung führt zu einer drastischen Veränderung der Darmflora. Die Einführung einer großen Bandbreite von verschiedenen Nährstoffen, vor allem langkettiger Kohlenhydrate, die häufig nicht vom Menschen verdaut werden können, führt zu einer starken Zunahme von bis dahin weniger vertretenen Bakterienspezies.(3)


Kinder in den ersten drei Lebensjahren sind zusätzlich ständig mit einer breiten Palette von Mikroben konfrontiert. Sie krabbeln mit Händen und Füßen über den Boden, stecken diese mit Vorliebe in den Mund und auch alle anderen Gegenstände werden häufig ausgiebig mit der Zunge erforscht. Dadurch ist ihre Darmflora ständigen Veränderungen unterlegen. Aber der Kontakt mit einer so großen Varianz an Mikroben ist auch wichtig für die Entwicklung des Immunsystems. Es lernt so viele verschiedene Erreger zu erkennen, aber auch diese von harmlosen Bakterien und Stoffen zu unterscheiden.


Die zunehmende Zahl an Kaiserschnitten, die steigende Häufigkeit von Antibiotika Einsätzen bereits bei Kleinstkindern und die wachsende Angst vor Schmutz und Keimen stehen im Verdacht die plötzliche Zunahme von Immunkrankheiten wie Allergien zumindest mit zu verursachen.(3)


Mit drei bis fünf Jahren hat die Darmflora eine ähnliche Zusammensetzung erreicht wie die eines Erwachsenen. Sie ist nun auch nicht mehr so starken Schwankungen unterworfen wie zuvor. 


Die Entwicklung einer gesunden und starken Darmflora schützt nicht nur kurzfristig vor häufigen Infekten. Sie ist auch langfristig ein wichtiger Faktor bei der Unterstützung und Entwicklung des Immunsystems und hat damit Auswirkungen auf Allergien und Übergewicht. 


Meine Keime - deine Keime



Besonders in der Kindergarten- und Schulzeit sind Kinder sehr häufig Krankheitserregern ausgesetzt. Das gemeinsame Spielen oder Lernen auf engem Raum fördert die Ansteckungsgefahr. Spielzeug wird intensiv gemeinsam genutzt und zusätzlich ist bei Kindern die nötige Hygiene zur Verminderung der Ansteckungsgefahr noch nicht so ausgeprägt wie bei Erwachsenen. Ist die Darmflora gesund und stark, kann sie die Häufigkeit dieser Infekte reduzieren. Nützliche Bakterien im Darm sorgen dafür, dass die Krankheitserreger sich gar nicht erst niederlassen können, sie halten die Darmbarriere intakt und regen das Immunsystem an. Kommt es dennoch zu einer Ansteckung, sorgen sie für eine verkürzte Dauer.


Ältere Kinder und Jugendliche stecken sich weniger häufig durch gemeinsam genutztes Spielzeug an. Dafür hat ihr Darm andere Schwierigkeiten zu bewältigen. Nicht selten ändert sich die Ernährung in diesem Alter, hin zu einer zuckerreichen und weniger gesunden Kost. Die Zuführung von weniger Gemüse und Obst führt zu einer Abnahme der Ballaststoffe, die wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für Milchsäurebakterien sind und deren Wachstum unterstützen. 


Seelischer Stress - Stress für den Darm



Zusätzlich wirken sich psychischer Stress, wie er mit Pubertät und Erwachsenwerden unweigerlich eintritt, und womöglich Druck in der Schule auf den Darm aus. Das empfindliche System kann durch diese Situationen gestört werden und aus dem Gleichgewicht geraten. Nützliche Bakterien nehmen ab, unerwünschte Bakterien und Pilze können sich stark vermehren und zu Verdauungsbeschwerden führen. Dabei ist ein starker Darm mit einer intakten Flora in jedem Alter von großer Bedeutung für das Wohlbefinden. Wer ständig Beschwerden hat, ist in seinem Alltag eingeschränkt. Gerade Kinder und Jugendliche nehmen körperliche Beschwerden häufig noch stärker wahr als Erwachsene und leiden in ihren sozialen Interaktionen.


Leidet ein Kind an häufigen Durchfällen oder Verstopfungen, klagt über Bauchschmerzen oder wirkt allgemein müde und abgespannt, ist es wichtig genau hinzuhören. Bei langanhaltenden Beschwerden ist es natürlich wichtig eine Ärztin oder einen Arzt zu konsultieren. Häufig helfen aber bereits der Aufbau und die Unterstützung einer gesunden Darmflora mit der richtigen Ernährung und/oder einem probiotischen Produkt. Ein starker Darm ist wichtig für ein starkes Kind, um den Herausforderungen des Alltags entgegentreten zu können. 


 


Quellen:


1) Effect of probiotics on digestibility and immunity in infants A study protocol for a randomized controlled trial: Lingli Xiao, MD, Guodong Ding, PhD, Yifang Ding, Mphil, Chaoming Deng, Mphil, Xiaolei Ze, Mphil, Liang Chen, PhD, Yao Zhang, Mphil, Lihua Song, PhD, Hongli Yan, PhD,Fang Liu, MD and Xiaoming Ben, PhD, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5411182/


2) Delivery mode shapes the acquisition and structure of the initial microbiota across multiple body habitats in newborns: Maria G. Dominguez-Bello, Elizabeth K. Costello, Monica Contreras, Magda Magris, Glida Hidalgo,Noah Fierer,and Rob Knight https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2900693/


3) The Intestinal Microbiome in Early Life: Health and Disease: Marie-Claire Arrieta, Leah T. Stiemsma, Nelly Amenyogbe, Eric M. Brown, and Brett Finlay https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4155789/


4) Patterns of Early-Life Gut Microbial Colonization during Human Immune Development: An Ecological Perspective: Isabelle Laforest-Lapointe and Marie-Claire Arrieta https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5502328/

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