Alles gesund im Mund?

17. Apr, 2018|Verfasst von beta in der Kategorie Gesundheit
Alles gesund im Mund?

Mehr als nur ein paar Bakterien - die Bedeutung unserer Mundflora


Schöne, gepflegte Zähne - kaum etwas strahlt für unsere Umwelt mehr Gesundheit und Jugend aus. Studien haben gezeigt, dass eine gepflegte Reihe Zähne ein entscheidender Faktor beim ersten Eindruck ist. Ob bei der Partnersuche oder beim Vorstellungsgespräch: wer beim Lächeln saubere, gesunde Zähne vorweisen kann, ist klar im Vorteil.


Aber auch ein frischer Atem und ein gesundes Zahnfleisch sind wichtig für unsere Außenwirkung, vor allem aber für unser Wohlbefinden. Auf die meisten dieser Dinge - und auf noch viel mehr - hat eines Einfluss: unsere Mundflora.


 Mundflora - was ist das eigentlich?


Die Mundflora des Menschen besteht aus mehr als 700 Bakterienarten (1), sowie einigen Pilzen und Hefen. Die meisten dieser Mikroorganismen leben als sogenannte Kommensalen auf Zunge, Schleimhäuten und Zähnen. Sie profitieren von unserer Mundhöhle sowie dem Rachen als idealen Lebensraum, der neben angenehmer Temperatur und Feuchtigkeit auch noch Nahrung im Überfluss bietet. Auch wenn die Definition von Kommensalismus eigentlich besagt, dass der andere Organismus nicht von der Beziehung profitiert, haben wir doch einige Vorteile durch eine gesunde Mundflora.


Sie bietet zum Beispiel eine Art erste Abwehrkette gegen eindringende Krankheitserreger. Durch die dichte Besiedlung mit harmlosen Bakterien, finden diese häufig weder Platz noch Nahrung um sich niederzulassen. 


 Aus Freund wird Feind - Opportunisten in der Mundhöhle


Einige der Mikroben, die unseren Mund besiedeln zählen jedoch zu den sogenannten Opportunisten. 


Das bedeutet, im Normalfall schaden sie uns nicht, kommt es aber zu einer Schwächung unseres Immunsystems, zu einer Verletzung oder zu einer übermäßigen Vermehrung, können sie Krankheiten oder Entzündungen hervorrufen. Dazu gehört beispielsweise der Hefepilz Candida albicans. In der Regel verursacht seine Besiedlung keine Beschwerden, bei einer Immunschwäche kann er jedoch zu einer Infektion führen, unter anderem bekannt als Soor oder Kandidose. 


Der Wechsel von einer nicht krankheitserregenden Normalflora mit Vorteilen für unsere Gesundheit hin zu einer fast parasitären Flora, die unsere Zähne angreift und unser Immunsystem schwächen kann, kann verschiedene Ursachen haben. Rauchen, Stress, schlechte Ernährung (etwa stark zucker- oder säurehaltig), Infektionen, mangelnder Speichelfluss und natürlich ungenügende Mundhygiene verursachen eine Veränderung der Umweltbedingungen im Mund und damit eine Veränderung der Mundflora. Bakterien, die unter gesunden Umständen kein Problem darstellen, können sich plötzlich stark vermehren.


Streptococcus mutans 


Darunter auch Streptococcus mutans, dessen Konzentration im Speichel deutlich mit dem Kariesrisiko zusammenhängt. Inzwischen haben eine Reihe von Studien dieses Bakterium als den Hauptverursacher von Karies identifiziert.



Streptococcus mutans gilt inzwischen als Hauptverursacher von Karies


Unter den geänderten Bedingungen im Mund kann es sich besonders gut gegen andere Bakterien durchsetzen, denn es verfügt über eine hohe Säuretoleranz. Das heißt bei pH-Werten die anderen Bakterien bereits zu schaffen machen, kann es sich immer noch wunderbar vermehren. Streptococcus mutans verfügt außerdem über die besondere Fähigkeit aus der in der Nahrung enthaltenen Saccharose sogenannte extrazelluläre Glucane zu bilden. Diese kann man sich vereinfacht als eine Art kleine Ärmchen außerhalb der eigentlichen Bakterienzelle vorstellen, mit deren Hilfe es sich besonders effektiv an den Zahnschmelz anheften kann.


Es bildet so einen besonders stabilen Biofilm auf den Zähnen - sogenannte Plaque. Relativ fest an der Zahnoberfläche haftend kann es sich weiter vermehren und den Zahnschmelz durch starke Säurebildung empfindlich angreifen. Es entsteht Karies.


In Kombination mit dem Hefepilz Candida albicans kann Streptococcus mutans einen sogenannten Mehrspezies Biofilm bilden. Gegenseitig beeinflussen sie ihre Fähigkeiten sich effektiv an den Zähnen anzuheften und auch die Geschwindigkeit mit der dies geschieht. Diese beiden Faktoren - Geschwindigkeit und Stärke der Anheftung - sind entscheidend für die Auswirkungen auf den Zahn.


Je schneller S. mutans nach dem Zähneputzen wieder sein schädliches Werk aufnehmen kann, desto schneller entsteht auch Karies. Und je fester er sich an den Zahnschmelz heftet, desto schwieriger ist es ihn wegzuputzen.


Eine starke Vermehrung von Candida albicans und Streptococcus mutans ist für unseren Zahnschmelz also sehr gefährlich. 


Nicht nur der Zahnschmelz ist gefährdet


Zusätzlich kann es bei einer gestörten Mundflora auch zu gehäuften Entzündungen des Zahnfleisches oder der Schleimhäute in Mund- und Rachenraum kommen. Die sonst harmlosen Bakterien nutzen ihre Chance und lösen Entzündungen aus. Dadurch wird das Immunsystem ständig in Alarmbereitschaft versetzt und somit auf Dauer geschwächt.


Seltener können Streptokokken der Mundflora sogar durch kleinste Verletzungen in die Blutbahn gelangen. So können sie die Herzklappen erreichen und eine Herzmuskelentzündung auslösen. Etwa 50 - 70 % aller Herzmuskelentzündungen werden von oralen Streptokokken verursacht. Je weniger davon in unserem Mund angesiedelt sind, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie uns Schaden zufügen können.


 Was kann man dagegen tun? 


Die offensichtlichen Antworten sind natürlich eine gesunde Ernährungsweise mit möglichst wenig Zucker und Säure, sowie eine gute und gründliche Zahnhygiene. 


Zusätzlich ist es aber auch wichtig die natürliche Mundflora wiederherzustellen und zu unterstützen. Dies wird zum einen durch die oben genannte Ernährung und die Mundhygiene erreicht, kann aber zusätzlich noch durch probiotische Kautabletten unterstützt werden. Diese enthalten meist einen oder mehrere Stämme von natürlich in der Mundflora vorkommenden Milchsäurebakterien. Bei der Einnahme nach dem Zähneputzen unterstützen sie die Ansiedlung der erwünschten Bakterien und verhindern eine starke Vermehrung schädlicher Organismen. 



Eine aus dem Gleichgewicht geratene Mundflora kann unangenehme Zahnfleischentzündungen begünstigen


Eine starke Mundflora hat Auswirkungen auf die Kariesbildung, auf Mundgeruch und Zahnfleischentzündungen und kann sogar Herzgesundheit und Immunsystem beeinflussen. Nützliche Bakterien in einer gesunden Flora verdrängen die schädlichen, dämmen das Wachstum von Streptococcus mutans ein und verringern so die Häufigkeit von Entzündungen und Karies.


Eine Studie aus dem letzten Jahr hat gezeigt, dass etwa das in der normalen Mundflora vorkommende Milchsäurebakterium Lactobacillus salivarius einen erstaunlichen Effekt auf Streptococcus mutans hat. L. salivarius hemmt dessen Fähigkeit zur Bildung eines Biofilms. Zusätzlich ist es in der Lage aufgrund von Konkurrenz um Platz und Nahrung die schädlichen Bakterien zu verdrängen.(2) 


Eine gesunde Mundflora hat weit mehr Auswirkungen, als man im ersten Moment vermutet. Meist bemerkt man das aber erst, wenn man ständig mit lästigen Beschwerden zu kämpfen hat.


Umso wichtiger ist es sie gesund zu erhalten, zu unterstützen und zu pflegen.


 


 


 


Quellen:


1) Probiotic Lactobacillus sp. inhibit growth, biofilm formation and gene expression of caries‐inducing Streptococcus mutans


Reham Wasfi  Ola A. Abd El‐Rahman  Mai M. Zafer  Hossam M. Ashour


http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jcmm.13496/full


2) Effect of a Lactobacillus Salivarius Probiotic on a Double-Species Streptococcus Mutans and Candida Albicans Caries Biofilm


Wirginia Krzyściak, Dorota Kościelniak, Monika Papież, Palina Vyhouskaya, Katarzyna Zagórska-Świeży, Iwona Kołodziej, Beata Bystrowska, and Anna Jurczak


https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5707714/

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